Tja. Früher konnte ich immer essen was ich wollte.
Naja, mich richtig im Spiegel betrachtet hatte ich mich nie.

Doch dann kam ich in die FOS. Alte Schulfreunde verabschiedeten sich, neue Freunde kamen hinzu. Ich war erstaunt, wie viele Schönheiten ich doch in meiner Klasse hatte. Nicht, dass ich so sein wollte wie eine von IHNEN. Nein, ich habe mich angesehen. Und da gab es einiges zu bemängeln.
Ich habe keine schönen Knie. Meine Haut ist nicht zart. Mein Gesicht ist nicht perfekt. Mein Bauch ist nicht flach.

"Wie kann ich mich verändern?" Das war meine Frage. Wahrscheinlich beeinflusst von Umfeld und Medien.. Das einzig erreichbare Ziel schien mir, etwas abzunehmen.

Also hörte ich auf zu essen. Natürlich war der Hunger noch da. Zu Mittag aß ich einen Joghurt, wenn der Hunger zu groß wurde, auch schon ein, zwei Reiswaffeln.
Ein Jahr hat das auch für mich funktioniert.
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Doch dann wurde es wieder Sommer.
Leckeres Eis. Ich kann nicht wiederstehen. Da liegt es. Im mittleren Fach des Gefrierschranks. Ein Eis. Was macht das schon?
Ich esse es.

Doch dann..
Schuldgefühle. Kalorienbombe. Davon bläht sich mir nur der Bauch auf. Nein. Ich will nicht. Es soll wieder raus. Ich bereue es.

Auf dem Klo versuche ich mich zu übergeben. Funktioniert nicht. Ich traue mich nicht den Finger in den Hals zu stecken. Game Over. Strafe: Eine Woche kein Essen.
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Damals hatte ich noch die Entschlossenheit, den Ehrgeiz. Ich habe mich oft den ganzen Tag nicht hingesetzt. Kalorien verbrennen. Noch eine Halbe Stunde mit den Fahrrad fahren. Kalorien verbrennen. Ich habe so Hunger, ich esse ein Rosinenbrötchen. 100 Sit ups davor. Hauptsache die Kalorien werden nicht zu viel.
Wenn ich schon mal eine "Fressattacke" bekomme, was eigentlich nicht mehr Essen war, was jeder normale Mensch an einem Tag isst, schreibe ich alles akribisch auf. Kalorien zählen. Wie schlecht war ich?

Ich bin eklig.
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Um mich vom Essen abzulenken, suche ich nach anderen Hobbies. Mein Zufluchtsort, wo es keine Versuchung gab, etwas zu essen: die Stadtbücherei. Dort widme ich mich besonders den Kochbüchern. Doch gibt es noch eine interessante Abteilung: Die Englischen Romane.
Ich liebe die englische Sprache.
Ich suche nach einem interssanten Buch. Ich nehme eines dem Regal: Twins
 Es handelt von dem Erwachsenwerden von zwei weiblichen Zwillingen, die sich allmählich auseinanderentwickeln. Der einen bricht es das Herz und bekommt Bulimie.
Einige Szenen inspieren mich.

Dann war es mal wieder soweit. Ich hatte Hunger. Kühlschrank. 500g Vanillequark. Bevor ich mich versehe ist er weg. Wieder diese Schuldgefühle. Ich will nicht, ich kann nicht. Ich gehe auf die Toilette. Ich versuche es so lange bis es funktioniert. Und es funktioniert tatsächlich.

Es bleibt nicht bei dem einen Mal. Ich will Eis. Kein Problem. Ich kenne das Geheimnis ja jetzt.
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Anfangs war es eigentlich noch nicht ganz so schlimm. Aber es zieht einen immer tiefer hinein. Jetzt mache ich es nahezu täglich.